Projekte 2010
Beschreibung der Projekte:
1. Projekt: Sozialdienst katholischer Frauen Paderborn
Förderung und Unterstützung von Eltern und Kindern in der Pflegesituation
Die Fachbereiche Westfälische Pflegefamilien und Adoptions- und Pflegekinderwesen des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. bieten Kindern und Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Ursprungsfamilie nicht zufriedenstellend seelisch und körperlich versorgt werden können die Möglichkeit, außerhalb ihres Elternhauses in familiären Bezügen aufzuwachsen. Es handelt sich um Kinder, die oftmals traumatischen, lebensbedrohlichen Erfahrungen ausgesetzt waren. Sie benötigen auf ihrem Lebensweg intensive Zuwendung und eine liebevolle Begleitung.
Für Pflege- und Adoptiveltern wird daher jährlich ein Veranstaltungskalender mit unterschiedlichen Angeboten herausgegeben. Diese Veranstaltungen sollen der Zielgruppe in Ergänzung zur individuellen Beratung die Gelegenheit geben, im Rahmen von Gleichgesinnten Angebote wahrzunehmen, die zum einen einen wichtigen Entlastungsfaktor bieten, den Aufbau sozialer Kontakte sichern und dem Austausch dienen. Zum anderen werden wichtige thematische und beraterische Ergänzungen zum Leben und Erziehen mit den Kindern vermittelt.
Besonders das Thema der Frühtraumatisierung bei Kindern steht im Fokus der Aufmerksamkeit. So werden in diesem Jahr zwei Veranstaltungen angeboten, die Pflegeeltern unterstützen sollen, Kinder in der schonenden Umgebung der Pflegefamilie durch entsprechendes Wissen und Verständnis und durch klare Handlungsstrategien adäquat bei der Verarbeitung ihrer extrem belastenden Erfahrungen zu begleiten.
Veranstaltung 1:
Fachtag „Ängste und Aggressionen bei Pflege- und Adoptivkindern“ am 08. Mai 2010
Referentin: Dipl Heilpädagogin und Kinder-/Jugendlichenpsychotherapeutin R. Preising
Nach einer inhaltlichen Einführung zum Thema erhielten die anwesenden Pflegeelternpaare die Möglichkeit, im Gespräch mit Frau Renate Preising und den anderen Teilnehmern Situationen aus ihrem Alltag zu besprechen und gemeinsam mit Unterstützung der Referentin und der Berater des Sozialdienstes kath. Frauen Handlungsstrategien zu erarbeiten. In einer beschützten Atmosphäre war es den Pflegeeltern möglich, Situationen, Erfahrungen und Fragen zu schildern, die fachlich beantwortet und verständnisvoll lösungsorientiert bearbeitet wurden. Der Rahmen dieser Veranstaltung in einem Bildungshaus mit Verpflegung sorgte ebenfalls für die notwendige Möglichkeit zur Entspannung und Öffnung der Eltern für dieses schwierige Thema.
Veranstaltung 2:
Vortrag „Grenzen setzen in der Pflege- und Adoptivfamilie vor dem Hintergrund der traumatischen Beziehungserfahrung der Kinder“
Referentin: Dr. Dipl.Psych. Martina Cappenberg, Gerichtsgutachterin, kinderpsychologische Diagnostik und Beratung, Münster
Im Rahmen einer Vortragsveranstaltung mit Kinderbetreuungsangebot sind Pflege- und Adoptiveltern eingeladen, zum Thema Grenzsetzung im erzieherischen Handeln Anregungen zu erhalten, Fragen zu besprechen und Handlungsstrategien zu hören. Hier steht im Fokus, das kindliche Verhalten in Beziehungen auf Grundlage der Bindungstheorie zu verstehen mit besonderer Beachtung des Erlebens und Verhaltens traumatisierter Kinder. Förderliche und beeinträchtigende Grenzsetzungen werden besprochen.
Termin: 19.11.2010
2. Projekt: Zentrum für Psychotraumatologie Kassel
1. Vorhaben
MUT-NETZ
1. Deutschlandweiter AusstiegsbegleiterInnen Tag
In unserem Land gibt es seit Jahrzehnten eine große Gruppe Menschen, die in sadistischen Kulten, pädocrimen Ringen und gewalttätigen Sekten verwickelt sind. Kinder werden in diese Gruppierungen hinein geboren und lernen von klein an unter Folterbedingungen Unterwerfung, Abspaltung von Erinnerungen und Persönlichkeitsanteilen, absoluten Gehorsam und ein lebenslanges Schweigegebot. Die Betroffenen entwickeln durch die schweren frühen Traumatisierungen fast alle eine Dissoziative Identitätsstörung (früher: Multiple Persönlichkeit).
Seit einigen Jahren versuchen immer mehr Menschen, aus diesen Gruppierungen auszusteigen und ein „normales“ eigenständiges und selbstverantwortliches Leben zu beginnen. Viele AussteigerInnen suchen mit großem Engagement Hilfe, wenige psychosoziale Fachleute kennen sich mit diesem Bereich bisher aus. Vielen ist der Bereich verständlicherweise auch zu gruselig und bedrohlich. Diese Art der organisierten Gewalt wird gesellschaftlich noch kaum gesehen und geahndet.
Es gibt erst wenige systematische Hilfsangebote in Deutschland. Aber ohne engagierte Hilfe ist so ein Weg nicht zu schaffen: Einzelne BeraterInnen, TherapeutInnen, Kliniken, Wohnstätten, Seelsorger und Privatpersonen begleiten diese mühsamen Wege oft jahrelang. Hier bündelt sich viel praktische Kompetenz, aber es existiert auch ein hohes Burn Out- Risiko.
Auf diesem Hintergrund entstand die Idee, daß sich die aktiven AusstiegsbegleiterInnen zur gegenseitigen ErMUTigung überregional vernetzen, ihre Erfahrungen in der teils belastenden Arbeit teilen und voneinander lernen. Die gesellschaftspolitische Perspektive wird auch diskutiert.
Der Bedarf ist da: Zum ersten Termin sind 30 Personen aus dem ganzen Land angemeldet. Es gibt weitere Anfragen. Jährliche Treffen sind anvisiert.
Liebe Ausstiegsbegleiterinnen,
wir möchten Sie & Euch ganz herzlich zu einem persönlichen Erfahrungsaustausch einladen!
Wenn Sie zur Zeit beruflich oder privat aktiv in der Begleitung von Menschen engagiert sind, die Wege aus Kulten, pädocrimen Ringen, gewalttätigen Sekten gehen, sind Sie hier richtig!
Wenn für Sie Fragen der Sicherheit, Verantwortung, Möglichkeiten und Grenzen im Umgang mit Ritueller Gewalt zur Zeit aktuell sind, sind Sie uns willkommen!
Eine spezifische berufliche Qualifikation ist für diesen Austausch keine Voraussetzung. Eigenes Betroffensein alleine reicht zur Teilnahme ebenso wenig aus wie rein theoretisches Interesse.
Wir bieten Zeit & Raum um miteinander an zentralen Fragen zu arbeiten:
+ Begleitung bei anhaltendem Täterkontakt: Wann? Wie?
+ Unterstützungsangebote: Was taugt wann? Was fehlt?
+ Wie mit Bedrohungen umgehen? - weitere nach Bedarf -
Diese Form der überregionalen Vernetzung für das praktische Tun kommt aus unserer Sicht bisher zu kurz. Daher verzichten wir bewusst auf ExpertInnen- Vorträge. Die Ziele von MUT-NETZ sind die überregionale Vernetzung der AusstiegsbegleiterInnen zur gegenseitigen Unterstützung sowie die Entwicklung einer Zukunftsperspektive für eine gezielte gesellschaftliche & politische Arbeit. Jährliche Treffen in dieser Form können ein Weg dafür sein. Wir kooperieren mit VIELFALT e.V. in Bremen.
Die TeilnehmerInnen erhalten die Adressen & Ergebnisse per mail. In den Pausen gibt es Häppchen & Getränke. Nach der Arbeit werden wir einen schönen Rahmen für ein gemeinsames Essen/ Grillen (nach Wetter) gestalten.
Termin: Samstag, 04.09.2010, 11h bis 18h
Ort: Zentrum für Psychotraumatologie, Adresse siehe oben!
Kosten: 30,- bis 50,- Euro nach Selbsteinschätzung für Orga/Räume/Häppchen/Getränke/
Vernetzungsliste/Ergebnismail – das Geld bitte bar mitbringen!
Anmeldung: bis 1.7. formlos an traumazentrum@web.de, Stichwort „MUT-NETZ“; eine Bestätigung erfolgt ca. 4 Wochen vorher; weitere Fragen bitte ebenfalls per mail!
Wir freuen uns auf diesen Tag,
Sylvia Schramm
für Vorstand &Team sowie
den Fachaustausch zu Ritueller Gewalt
2. Vorhaben:
Kurzkonzeption einer begleiteten Selbsthilfegruppe
des Zentrums für Psychotraumatologie Kassel
für Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS)
Die Gruppe soll Menschen mit einer DIS die Möglichkeit geben, in einem möglichst selbstbestimmten Rahmen ihre Potentiale zur Selbsthilfe zu entdecken und zu erweitern.
Zielgruppe: Das Angebot richtet sich an Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung
Gruppengröße: max. 6-8 Personen
Häufigkeit der Treffen: zweimonatige Termine à 1,5h, die Gruppe soll fortlaufend stattfinden
Start: Herbst 2010
Ort: Zentrum für Psychotraumatologie Kassel
Zugang zur Gruppe: Erstkontakte finden über das Traumazentrum statt, die Begleiterin der Gruppe führt Erstgespräche, auf deren Grundlage entschieden wird, ob die Interessentin als fähig und passend für die Gruppe betrachtet wird
Struktur der Treffen: Um den Charakter einer Selbsthilfegruppe möglichst aufrecht zu erhalten, werden wir hier wenig Vorgaben machen, sondern die TeilnehmerInnen dabei unterstützen, eine für sie geeignete Struktur zu entwickeln. Als sinnvoll für Gruppenarbeiten haben sich in jedem Fall Eingangsrunden erwiesen, in denen alle TeilnehmerInnen kurz berichten können, „womit sie in die Gruppe kommen“ und in denen sich auf ein Thema des Treffens oder eine Aktivität geeinigt wird. Ebenso ist es sinnvoll, eine Abschlussrunde zu machen, um das Treffen gut beenden zu können.
Ebenso werden sich die TeilnehmerInnen und die Begleiterin der Gruppe auf gemeinsame Regeln einigen, Vorgabe des Traumazentrums sind hier folgende Grundregeln: keine Schilderungen von traumatischen Erfahrungen und das mögliche Vermeiden von potentiellen Triggern, keine körperliche oder verbale Gewalt innerhalb der Gruppe, Verschwiegenheit nach außen über die Inhalte und TeilnehmerInnen der Gruppe.
Inhalte der Gruppe: Die Inhalte der Treffen bestimmen die TeilnehmerInnen.
er steht der Erhalt des Selbsthilfecharakters im Vordergrund. Insofern soll es sich explizit um eine begleitende Rolle handeln, die TeilnehmerInnen sind diejenigen, die den Gruppenprozess verantwortlich gestalten. Die Begleitung hat hier folgende Aufgaben: Kriseninterventionen, Moderation bei Konflikten, Beobachtung der Gruppenprozesse und gegebenenfalls Rückmeldung. Außerhalb der Treffen steht die Begleiterin für die TeilnehmerInnen als Ansprechpartnerin für Aspekte, die sich auf die Gruppe beziehen, zur Verfügung.
Supervision: Zum Erhalt einer großmöglichen Fachlichkeit der Begleiterin und damit für die Qualität der Gruppe wird eine regelmäßige fachkundige Supervision für die Begleiterin statt finden.
Kassel, 08.07.2010
Isabel Seutter