Freitag, 30. Dezember 2011

Projekte der Horst Richter-Stiftung

Veranstaltungen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Paderborn

Datum 08.05.2012, 19:30-22:00 Uhr

Vortrag: „Spielen mit dem Pflegekind - Die Bedeutung des Spiels für die Bewältigung traumatischer Erfahrungen und als beziehungsstärkendes Element in der Pflegefamilie“

Referentin:
Doris Buitinck, Dipl.-Sozialpädagogin mit Weiterbildung in Personenzentrierter Psychotherapie für Kinder und Jugendliche, Lehrbeauftragte an der Kath. Fachhochschule Münster FB Heilpädagogik, Werne

Das Thema ist im Umgang mit Pflegekindern besonders relevant ist, weil diese in ihrer individuellen Vorgeschichte häufig Situationen ausgesetzt waren, die sie traumatisiert haben. Diese Erfahrungen wirken sich auch noch Jahre später im Alltag aus – und Pflegeeltern erleben die Folgen von Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung beinahe tagtäglich. Dabei fällt es den Kindern schwer, bedrohliche Erinnerungen in Worte zu fassen und der Vergangenheit zuzuordnen.

Die Referentin, Doris Buitinck, seit vielen Jahren in der Beratung von Pflege- und Adoptivfamilien tätig, wird aufzeigen, wie Pflegeeltern ihre Kinder dabei unterstützen können, die Sprachlosigkeit des Traumas zu überwinden, Gefühle von Angst, Ohnmacht, Wut und Hass anzunehmen – und schließlich auch zu verarbeiten. Sie wird anhand vieler Beispiele anschaulich darstellen, wie Pflegeeltern in einen einfühlsamen Dialog mit ihren Kindern treten und ihnen so helfen können, ihre „innere Welt“ verstehen zu lernen. Dabei wird Doris Buitinck deutlich machen, dass das Spiel die Sprache des Kindes ist und den Schlüssel zum Verständnis der eigenen Person darstellt: In Rollenspielen kann das Kind seine Gefühle wahrnehmen, Impulse ausleben und das Erlebte durch Wiederholen nacherleben. Wenn Kinder in ihren Herkunftsfamilien traumatisiert wurden, können die Pflegeeltern die wichtigste Hilfestellung bei der Verarbeitung der Traumata geben. Denn mit ihnen können sie korrigierende Erfahrungen machen. An dieser Stelle wird die Referentin darauf hinweisen, dass Pflegeeltern dazu keine therapeutische Ausbildung benötigen. Ebenso wenig kann eine therapeutische Begleitung von traumatisierten Kindern jene Unterstützung ersetzen, die ihre Pflegeeltern leisten.

Datum: 02.06.2012, 10:00 – 17:00 Uhr

Vortrag und Workshop zum Thema:

„Das erstarrte Mobile“ – Trauma und dessen Folgen auf die kindliche Entwicklung aus neurobiologischer Sicht. Traumapädagogik in Adoptiv- und Pflegefamilien jenseits von Therapie - unter Einbeziehung der „Traumaerzählgeschichte“.

Referent:

Alexander Korittko, Dipl. Sozialarbeiter und Paar- und Familientherapeut, Systemischer Lehrtherapeut und Supervisor (DGSF)

Zum Inhalt: Überwindung von Traumafolgestörungen bei Kindern

Nicht jeder Stress ist traumatischer Stress, doch wenn chronischer Stress auf die Entwicklung eines kleinen Kindes einwirkt, hat er besonders heftige Störungen zur Folge. Anders als bei Erwachsenen beeinflusst traumatischer Stress in Form von Vernachlässigung, Misshandlung und unterschiedlichen Formen von Gewalt die im Wachsen befindliche Struktur des Gehirns. Wie es kommt, dass Kinder dann später auch bei kleinsten Belastungen extreme Phänomene der Über- oder Untererregung zeigen, die auch Jahre später zu heftigen Symptomen führen können, wird zusammen mit neuen Erkenntnissen aus der Hirnforschung ein kurzer einführender Teil der Veranstaltung sein. Im Anschluss werden klare Richtlinien der so genannten Trauma-orientierten Pädagogik vorgestellt. Diese schaffen einen zuverlässigen Beziehungsrahmen und helfen Kindern zusammen mit Maßnahmen der äußeren und inneren Stabilisierung, ein psychisches Gleichgewicht zu erlangen. Der Hauptaspekt des Seminars liegt bei der „Trauma- Erzählgeschichte“. Diese Intervention verhilft Kindern die fragmentiert gespeicherten und nur teilweise kognitiv erinnerten Erlebnisinhalte der Vergangenheitstraumata kontrolliert und distanziert wieder zu erleben. Durch diese von außen vermittelte Neuorientierung können sie eine Unterscheidung zwischen dem belastenden „Dort und Damals“ und dem sicheren „Hier und Jetzt“ treffen. Die Grundlagen dieser Interventionsform werden referiert, an Fallbeispielen per DVD demonstriert und in Kleingruppen eingeübt. Die Fallbeispiele zeigen Interventionen mit Kindern zwischen 5 und 10 Jahren, die Methode kann auch mit jüngeren Kindern angewandt werden.